Bürgerinitiativen Flughafen Braunschweig-Wolfsburg
gegen die Startbahnverlängerung des Flughafens

in Kooperation mit BIBS-Fraktion, Braunschweig-Online, Querumer Forst, Waggum


Rolle der ev.-luth. Landeskirche Braunschweig
Zur Rolle der Ev.-Luth. Landeskirche Braunschweig bei der Vernichtung von Wald im Querumer Forst


  1. Von der Verlängerung der Start- und Landebahn des Flughafens Braunschweig-Wolfsburg für den Hauptnutzer Volkswagen AG sind laut Planfeststellungsbeschluss 90 ha des Querumer Forsts im Norden Braunschweigs betroffen.

  2. Der größte Teil des Querumer Forst gehört der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz. Laut Auftrag soll die Stiftung die kulturellen und historischen Belange des ehemaligen Landes Braunschweig bewahren.

  3. Prof. Dr. Friedrich Weber, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Braunschweig, ist einer der Vizepräsidenten der Stiftung.

  4. Am 6.1.2010 wird zwischen der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und der Flughafen Braunschweig-Wolfsburg GmbH ein Erbbaurechtsvertrag über den für den Flughafenausbau benötigten Teil des Querumer Forsts geschlossen.

  5. Am 7.1.2010 berichtet die Braunschweiger Zeitung über den Abschluss des Erbbaurechtsvertrags. Am gleichen Tage antwortet Bischof Weber einer Gruppe von Fragestellern nach den Umständen des Vertragsabschlusses des Erbaurechtsvertrags: „Ich habe wie Sie erst aus der Zeitung von dem Erbbaurechtsvertrag erfahren“.

  6. "Beim Empfang der Bürgerinitiativen im Landeskirchenamt Wolfenbüttel am 7. Januar 2010 war es dem Landesbischof Prof. Dr. Weber wichtig, darauf hinzuweisen, dass der Zeitungsbericht vom Vortag falsch ist, wonach er am Beschluss seitens der Stiftung, das Erbbaurecht für die Erweiterungsflächen für den Flughafenausbau hinzugeben, mitgewirkt hätte. Er sei überhaupt nicht mit dem Vorgang befasst worden und habe auch von der Vertragsunterzeichnung zwischen Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und Flughafengesellschaft erst aus der Zeitung erfahren" (Braunschweig-online vom 7.1.2010).

  7. Am 15.2.2010 teilt der Direktor der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz jedoch überraschend mit: „Angesichts der damals schon zu erwartenden öffentlichen Diskussion über das Vorhaben selbst und den betreffenden Erbbaurechtsvertrag hat der Direktor allerdings im Vorfeld seiner Entscheidung den Stiftungsrat über den Vorgang unterrichtet.“ Bischof Weber ist Mitglied des Stiftungsrats.

  8. In der Folge beauftragt die Stiftung die Schöppenstedter Baumfäll-Firma Rex unter Aufsicht des Stiftungsförsters Röker mit der Rodung und lässt somit ihren eigenen Wald abhacken.

  9. Margot Käßmann, die seinerzeitige Ratsvorsitzende der EKD, sagt in ihrer Neujahrsbotschaft 2010: "Nichts ist gut in Sachen Klima, wenn weiter die Gesinnung vorherrscht: Nach uns die Sintflut! Da ist Erschrecken angesagt und Mut zum Handeln, gerade nach dem Klimagipfel in Kopenhagen." Um ein diesbezügliches Wort zur Waldabholzung in Braunschweig gebeten, lässt sie am 18.1.2010 jedoch mitteilen, sie sei derzeit viel dienstlich unterwegs und habe die Bitte an Prof. Weber weitergeleitet.

  10. Der derzeitige Ratsvorsitzende Schneider meint: "Die evangelische Kirche vermisse "Dynamik, Klarheit und Verbindlichkeit" in der Beantwortung der großen Zukunftsfrage, wie die Wirtschaft in den Dienst des Menschen gestellt und in Einklang mit den natürlichen Rahmenbedingungen einer endlichen Welt gebracht werden könne". Auf die Bitte um ein Wort zur Waldabholzung im Querumer Forst teilt Schneider am 16.12.2010 schriftlich mit: "Die Frage der Bewahrung der Schöpfung ist ohne Frage eine der großen Herausforderungen, vor denen wir heute stehen" und verweist ansonsten an Prof. Weber.

  11. Nun, da der betroffene Wald für einen höchst zweifelhaften Zweck vernichtet worden ist und so, als ob nichts gewesen wäre, heißt es seitens der ev.-luth. Landeskirche Braunschweig am 7.9.2012 in der on-line-Ausgabe der Braunschweiger Zeitung: "Bischof Weber warnt vor Ausbeutung der Natur"!
Ist die Ev.-luth. Landeskirche Braunschweig also eine kapitalgetriebene Anstalt im Geflecht von Politik und Wirtschaft mit deutlich gezeigter Ignoranz der sie um Hilfe anrufenden Betroffenen? Dazu passt, dass ausgerechnet auch noch der Braunschweiger Domprediger Hempel sozusagen als Begleitmusik nach einer Erhöhung der Kirchensteuer ruft!

Praktizierte Ethik und Moral im kirchlichen Bereich sind offenbar nur noch in den bürgernahen Ortskirchen beheimatet. Sie sind die einzigen, die im Sinne des Erhalts der Umwelt, der Natur und der natürlichen Lebensgrundlagen den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern Trost und praktischen Beistand gewährt haben und dies auch weiterhin tun.


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14.09.2012